Loyal, stabil und fair

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Personalien

Kommentar

Obwohl strikte Maßnahmen zur Eindämmung der Corona-Pandemie vorerst wegfallen, steht die Veranstaltungsbranche nun vor einer neuen Herausforderung. Wie in anderen Bereichen sorgt auch hier der Fachkräftemangel für Sorgenfalten bei den Verantwortlichen. Jürg Isler, Geschäftsführer der Scenotech GmbH und Event-Architekt, erläutert die Schwierigkeiten und liefert Lösungsansätze:

„Kaum hatten sich Maskenpflicht, 2G-Kontrollen und ähnliche Regelungen für kleine wie große Events verabschiedet, strömten die Menschen auch wieder zurück zu selbigen. Zwar ließ sich die Rückkehr nicht in dieser Wucht vorhersehen, doch zumindest ist sie im Nachhinein erklärbar – war die Bevölkerung doch so lange gezwungen, zu Hause zu bleiben und beliebte Freizeitaktivitäten ruhen zu lassen, und gab es doch auch einige Termine aus den Vorjahren nachzuholen. Doch der hohe Zuspruch erweist sich als Segen und Fluch zugleich und die erhoffte schnelle Erholung des Eventsektors könnte durch den weitverbreiteten Fachkräftemangel einen jähen Dämpfer erfahren. Bei Unternehmen, die mit der Konzeption und der technischen Umsetzung beauftragt sind, fehlt es an allen Ecken und Enden an Personal. Schon vor der Krise ließ sich ein stetiger Rückgang an Arbeitskräften verzeichnen, aber die Corona-Pandemie schlug eine noch erheblichere Schneise in die Angestelltensituation. Durch sie ging eine bisherige Stärke verloren: das unerschütterliche Vertrauen in den stetigen Erfolg der Branche. Aufgrund von Absagen oder zumindest Einschränkungen von Events jeglicher Art musste die Veranstaltungsbranche einen großen Teil der über Jahre aufgebauten Sicherheit gegenüber den Angestellten einbüßen.

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Fahren auf Sicht

In den vergangenen zwei Jahren war die Arbeitsgrundlage vieler Unternehmen in diesem Bereich nicht mehr gegeben und auch von diversen Entlastungspaketen schienen sie ausgenommen. So gestaltete es sich für viele Betriebe auf dem Markt schwierig, ihre Mitarbeiter zu halten – sei es aus Gründen der Bezahlung oder fehlender Zukunftsperspektive. Nun befindet sich der Geschäftszweig in einer gefährlichen Dysbalance zwischen rapide ansteigender öffentlicher Nachfrage und stagnierenden Möglichkeiten, ein dazu passendes Angebot zu liefern. Wann sich eine allgemeine Stabilisierung des Marktes einstellt, lässt sich bisher nicht voraussagen – zu unsicher stellen sich die pandemische Lage und die Reaktionen der Politik darauf dar. Jedoch lässt sich auch eine gewisse Beständigkeit aus der Veranstaltungsbranche selbst generieren. Hier gilt es Unsicherheit für potenzielle Gäste, aber auch Fachkräfte unbedingt zu vermeiden. The show must go on, komme, was wolle.

Vertrauen zurückgewinnen

Durch Anreize auf verschiedenen Ebenen lässt sich eine neue Generation ansprechen, die den Ausbildungsberuf aufgrund der undurchsichtigen Zukunft bisher nicht in Betracht gezogen hat. Benefits, die über die reine Bezahlung hinausgehen, erweisen sich mittlerweile als unabdingbar – vor allem um die nachkommende Generation anzusprechen. Wertschätzung und ein allgemein gutes Arbeitsklima spielen eine immer größere Rolle für Bewerber. Auch Fachkräfte, welche die Branche gewechselt haben, könnten so zurückgewonnen werden. Aus Erfahrung lässt sich sagen, dass Mitarbeiter, die stabile Arbeitsverhältnisse und eine loyale sowie faire Behandlung erfahren, länger bei einem Arbeitgeber bleiben und auch bessere Leistung abliefern. Benefits wie Einzelzimmer, Frühstück bei Reisen, bezahlte Spesen und gutes Catering können das Gefühl von Wertschätzung bei der Belegschaft und deren Zufriedenheit rapide erhöhen. Leider sind derlei Maßnahmen in der Veranstaltungsbranche viel zu unüblich. Doch Entscheider müssen vor allem in Zeiten der Krise erkennen, dass Events nur durch die Kraft und das Wissen vieler entstehen können – und nur mit klarer Perspektive für Unternehmen sowie für die Angestellten lassen sich diese Attribute in die Branche zurückholen.“

Scenotech GmbH, www.sceno.tech

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Jürg Isler

Autor: Jürg Isler
Jürg Isler ist Geschäftsführer des international agierenden Schweizer Unternehmens Scenotech GmbH und weist langjährige Erfahrung als Event-Architekt auf. Nach seiner Ausbildung zum Elektriker konnte er als bauleitender Monteur viele spannende Prestigeprojekte umsetzen. 2004 schloss er eine Weiterbildung zum Eventmanager erfolgreich ab und wechselte 2008 in die Eventbranche. Von 2009 bis 2015 war Jürg Isler vor allem international tätig, unter anderem als Techniker beim Zürcher Ballett im Zuge der internationalen Gastspiele, beim „UEFA Champions League“-Finale in Madrid und den Olympischen Sommerspielen in London. Anschließend gründete er in Zürich die Scenotech GmbH, die sich auf Eventarchitektur, technische Planungen und deren Umsetzung spezialisiert. Privat ist Jürg Isler ein Globetrotter, der es liebt, die Welt zu bereisen und neue Kulturen kennenzulernen.


Die Restaurants im Ummahat Al Shaykh Island Resort wurden von Kengo Kuma mit einem muschelförmigen Freiformdach entworfen. Renderings: Kengo Kuma and Associates | The Red Sea Development Company

Design/Ambiente

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Neubau/Sanierung

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