Studie: Die digitale Geldbörse ist im Hospitality-Bereich auf dem Vormarsch

Fachwissen

„Bitte in bar.“ Das bekommen Mitarbeiter in der Hospitality-Branche oft zu hören, wenn sie Gäste fragen, wie diese ihre Rechnung begleichen möchten. Doch das wird in wenigen Jahren völlig anders sein, so die Studie „Is Cash Dead in the Hospitality Sector" von Oracle Hospitality.

Deutschland ist nach wie vor ein „Bargeld-Land". Auch in Hotels und Restaurants greifen die Bundesbürger gerne zur analogen Geldbörse, statt digital mit Smartphone oder Karte zu bezahlen. Daran hat sich in vergangenen Jahren wenig geändert, wie eine Untersuchung der Deutschen Bundesbank ergab: An die 48 Prozent der Deutschen bezahlten 2017 Waren und Dienstleistungen am liebsten bar. Rund zehn Jahre zuvor waren es an die 59 Prozent. Angesichts der Fortschritte in diesem Zeitraum, vor allem beim Bezahlen mit dem Smartphone, ist das keine sonderlich große Veränderung. Vergleichbare Ergebnisse lieferten Studien in Österreich und der Schweiz.

Kann sich die Hotel- und Restaurant-Branche somit entspannt zurücklehnen, nach dem Motto „weiter so" – zumindest was das Bezahlen betrifft? Nein, wie eine Studie von Oracle Hospitality belegt. Im Auftrag des Unternehmens wurden 15.000 Verbraucher in Europa, Amerika und Asien befragt, wie sie in Hotels, Restaurants und Cafés bezahlen - in bar, mit Kredit- und Geldkarten oder per Smartphone (Mobile Payment). Ein zentrales Ergebnis der Untersuchung: Nur ein Drittel der Befragten in Europa ist der Auffassung, dass im Jahr 2022 im Hospitality-Bereich noch Bargeld akzeptiert wird. Weitere 33 Prozent nehmen in dieser Frage eine neutrale Haltung ein.

Cash ist für viele Nationen ein Auslaufmodell

Allerdings zeigen sich in den einzelnen Ländern gravierende Unterschiede, was die künftige Rolle von Bargeld betrifft. Das gilt vor allem für deutsche Hotel- und Restaurantgäste. Fast die Hälfte glaubt, dass auch in vier Jahren noch Bargeld als Bezahlmittel akzeptiert wird. Mit dieser Meinung stehen deutsche Verbraucher allerdings weitgehend alleine da. In Schweden teilen beispielsweise nur 23 Prozent diese Einschätzung, in Italien 28 Prozent. Speziell Gäste aus China und Indien sowie Amerika räumen „Cash" 2022 einen niedrigen Stellenwert ein.

Das Gleiche gilt für jüngere Gäste: 39 Prozent der „Millenials" (25 bis 34 Jahre) nutzen bereits heute vorzugsweise ihr Smartphone und Mobile-Payment-Verfahren, um in einem Hotel Speisen und Services zu bezahlen. Bei den Mitgliedern der Generation X (35 – 54 Jahre) liegt der Anteil bei 31 Prozent. Ähnliche Werte für die die beiden Altersgruppen ergab die Studie von Oracle Hospitality beim Bezahlen in Coffee Shops, Bars und Restaurants. Das heißt, Unternehmen aus der Hospitality-Branche sehen sich mit einer höheren Erwartungshaltung seitens dieser zahlungskräftigen und konsumfreudigen Gruppen konfrontiert: Bargeld ist für diese Verbraucher zunehmend „out", das Zahlen mit Karten das Mindestmaß an Service, das ein Unternehmen bieten muss. Am besten ist jedoch, wenn der Gast mit dem Smartphone bezahlen kann.

Weniger aufgeschlossen gegenüber neuen Technologien wie dem mobilen Bezahlen zeigt sich laut Oracle Hospitality erwartungsgemäß die ältere Generation ab 55 Jahren: Nur 17 Prozent bevorzugen Mobile Payment im Hotel. Doch auch die "Best Ager" verschließen sich nicht der Realität. Fast die Hälfte geht davon aus, dass sie 2022 deutlich weniger auf Geldscheine und Münzen zurückgreifen werden als heute. Zum Vergleich: Diese Meinung vertreten auch 59 Prozent der Millenials.

Hospitality-Branche muss flexibel sein

Doch was bedeuten diese Trends für den Hospitality-Sektor? Eine Konsequenz ist, dass sich Hotels und Restaurants mit dem Thema bargeldloses Bezahlen mehr denn je auseinandersetzen müssen. Neben der Option, Rechnungen mit einer Giro- oder Kreditkarten zu begleichen, ist es mittelfristig erforderlich, auch Mobile-Payment-Verfahren anzubieten. Das ist auch deshalb wichtig, weil sich der Anteil von Besuchern aus asiatischen Ländern, etwa China, Indien und Japan, in den vergangenen Jahren deutlich erhöht hat. Und Gäste aus diesen Regionen wollen sich nicht mit mehr mit Bargeld abgeben.
Andererseits ist Cash beileibe nicht tot. Und dies nicht nur aus Sicht der Generation 55 Plus, die für Hotels und Restaurants in Deutschland, Österreich und der Schweiz eine besonders wichtige Rolle spielt. Auch jüngere Gäste räumen ein, dass Bargeld auch in vier Jahren noch eine gewisse Rolle im Hospitality-Bereich spielt. Dies umso mehr, als derzeit noch nicht absehbar ist, welche Mobile-Payment-Verfahren sich letztlich auf dem Markt durchsetzen werden.
Für die Hospitality-Branche bedeutet dies, dass sie den Spagat zwischen herkömmlichen Bezahlverfahren und neuen Ansätzen wie Mobile Payment bewältigen muss, wenn sie eine möglichst große Zahl von Gästen ansprechen möchte. Das lässt sich nur mit einen Höchstmaß an Flexibilität erreichen. Über diese Anpassungsfähigkeit müssen auch die Kassensysteme und Point-of-Sales-Komponenten verfügen, die Beherbergungsbetriebe und die Gastronomie einsetzen. Wichtig ist daher, frühzeitig nach Lösungen und Technologiepartnern Ausschau zu halten, die den Übergang vom analogen Bezahlen mittels Cash zu digitalen Verfahren wie Mobile Payment so einfach wie möglich machen.


Der Autor Daniel Krisch ist Senior Director, Hospitality Strategy & Cruise Solutions, bei Oracle Hospitality


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