Vorarlberg gilt als eine der markantesten Architekturregionen Europas, geprägt von moderner Holzbauweise und einem respektvollen Umgang mit historischer Bausubstanz. In diesem Kontext erweiterten Peter und Pia Fetz, die das Hotel Hirschen in der 10. Generation führen, das traditionsreiche Ensemble im Jahr 2024 um ein neues Badehaus. Für die Lichtplanung des filigranen Neubaus zeichnete Barbara Gilhaus-Sturn verantwortlich, die dabei mit dem international erfahrenen Architekturlicht-Spezialisten Deltalight zusammenarbeitete. Das Ergebnis ist eine Beleuchtungslösung, die mit großer Sorgfalt, hoher Präzision und behutsamer Anpassung an den Ort sowohl die Bauherrschaft als auch die Gäste überzeugt.

Dimmbare Strahler und Downlights von Deltalight sorgen für entblendete Lichtszenen und hohen visuellen Komfort in den Spa- und Ruhezonen des Badehauses. Foto: Jessica Machon
Bauherrschaft zwischen Tradition und Gegenwart
Das Hotel Hirschen in Schwarzenberg im österreichischen Vorarlberg, ein historisches Juwel mit mehr als 270 Jahren Geschichte, steht als Gebäudeensemble im Zentrum des denkmalgeschützten Ortskerns und verbindet auf einzigartige Weise Tradition, regionale Baukultur und moderne Gastlichkeit. Geführt wird der Hirschen von der Familie Fetz, die das Haus seit 10 Generationen prägt und den jüngsten Umbau – das Badehaus aus dem Jahr 2024 – als langfristige Investition in die Baukultur des Ortes versteht. Inhaber Peter Fetz erläutert zu seinem Herzensprojekt, dass sie mit dem Badehaus keinen lauten Effektbau schaffen wollten, sondern einen stillen, zeitgenössischen Ort, der sich selbstverständlich in das Ensemble einfüge. Auch die Lichtplanung und die Wahl der Leuchten spielten eine wichtige Rolle. Der passionierte Bauherr betont, dass Lichtplanung und Leuchtenwahl die Idee von Ruhe, Handwerk und regionaler Verankerung gewissermaßen in eine räumliche Erfahrung für die Gäste übertragen.

Blick auf die „Bademantelbar“ rechts und in den Treppenabgang zum Wälderhaus mit seinen Suiten und Apartments. Der Lichtplanerin Barbara Gilhaus-Sturn war es wichtig, sich in der Planung am natürlichen Tageslichtverlauf zu orientieren und mit Kunstlicht zu ergänzen und zu akzentuieren. Foto: Jessica Machon
Das neue Badehaus mit feingliedrigem „Holzkleid“
Mit seiner sonnengezeichneten Fassade prägt das Stammhaus den Dorfplatz, während das Wälderhaus großzügige Apartment-Suiten bietet. Der 2024 fertiggestellte Neubau des Badehauses, geplant vom Architekturbüro NONA aus Bezau, stellt eine gelungene architektonische Ergänzung dar. Mit seiner markanten Dachform, angelehnt an die traditionelle Walmform, und dem feingliedrigen Holzkleid mit beweglichen Lamellen fügt sich das Gebäude harmonisch in die dichte historische Nachbarschaft ein. Es erweitert das Hotelangebot um eine hochwertige SPA- und Wellness-Oase mit lichtdurchfluteten Ruhezonen, Sauna, Massageräumen und Gartenbereich – ein stiller Ort des Rückzugs, der zugleich die Sprache der regionalen Architektur neu interpretiert.

Eine nahezu meditative Stimmung entsteht im Zusammenspiel von natürlichem Licht, dem Naturmaterial Holz, der reduzierten Einrichtung und dem dezent eingesetzten Kunstlicht, zwei bewegliche Spots der Serie Hedra von Deltalight. Foto: Angela Lamprecht
„Licht ist Poesie“
Einen wesentlichen Beitrag zur Atmosphäre des Badehauses leistet die Lichtplanung von ARCHILUM unter der Leitung von Barbara Gilhaus-Sturn. Für sie sei Licht mehr als Funktion, und Licht sei Poesie. Ziel war es, die wohltuende Wirkung natürlichen Lichts auch in innenliegenden, dunkleren Bereichen spürbar zu machen. Sie beschreibt, sie orientiere sich am Tageslichtverlauf und schaue der Natur ihr Phänomen ab. Übertragen auf künstliches Licht heißt das: tagsüber höhere Lichtniveaus, welche die Räume öffnen und weniger „höhlenartig“ wirken lassen, und gegen Abend ein gedimmtes, zunehmend warmes Licht. Möglich wird dies durch manuell eingesetzte Dim-to-Warm-Leuchten, deren Lichtfarbe sich beim Dimmen zum Warmen hin verändert – ähnlich dem Verlauf des Tageslichts vom Mittag bis zum Abend. Barbara Gilhaus-Sturn ist überzeugt, man trage diese warmen Abendstimmungen tief in sich, so wie die Erinnerung an ein Lagerfeuer. Auf diese Weise begleitet das Licht im Hotel Hirschen den Rhythmus des Tages, betont die handwerkliche Qualität der Holzarchitektur und schafft genau jene Atmosphäre, auf die das Hotel großen Wert legt.
Mit dem belgischen Familienunternehmen Deltalight hat die Lichtplanerin einen Projektpartner gefunden, der direkt in der Lage war, mit Feingefühl, Detailpräzision und behutsamen Neuentwicklungen auf diese Herausforderungen und klar formulierten Wünsche des Bauherren einzugehen.

Der Wandstrahler Hedra von Deltalight passt formal perfekt zur markanten Lamellenstruktur des Badehauses. Foto: Angela Lamprecht
Präzises Licht für ruhige Räume
Im Badehaus kommen unter anderem Strahler der SPY 39 Familie in warmtoniger, dimmbarer Ausführung sowie Deep-Ringo-Downlights zum Einsatz, die für hohen visuellen Komfort und geringe Blendung sorgen. In den Spa-Zonen wurden Abstrahlwinkel und Lichtstärken so abgestimmt, dass ruhige, entblendete Lichtszenen entstehen, die gleichzeitig Orientierung und Sicherheit gewährleisten. Eine für das Projekt konfigurierte Variante wurde aufgrund der positiven Erfahrungen in das reguläre Sortiment von Deltalight überführt und steht inzwischen weiteren Anwendungen zur Verfügung.
Oliver Waidmann, Director Deltalight DACH Region, erläutert, sie interessiere besonders der Moment, in dem Licht und Material zu einer gemeinsamen Sprache fänden. Er ergänzt, wenn sich architektonische Präzision mit einer so zurückhaltenden, stimmigen Lichtführung verbinden lasse, sei das auch für sie ein Herzensprojekt.

Blick in das Rooftop-Loft im Wälderhaus. Auch die Suiten hier wurden durchgängig mit Leuchten von Deltalight ausgestattet, insbesondere mit Strahlern der Spy Familie in warmtoniger, dimmbarer Ausführung Foto: Jessica Machon
Mit Feingefühl inszeniert
Das Ergebnis der fruchtbaren Kooperation von Bauherren, ARCHILUM und Deltalight ist ein Licht, das Räume mit viel Feingefühl inszeniert – mal sanft gedämpft, mal punktuell akzentuiert. Es unterstreicht die architektonischen Linien, hebt die Wärme und Natürlichkeit des Werkstoffs Holz hervor und verleiht dem Badehaus jene sinnliche Ruhe, die es zu einem besonderen Ort macht. Große Glasflächen und Oberlichter holen das Tageslicht tief in die Räume und verbinden Innen- und Außenraum zu einer stimmigen Einheit. Oliver Waidmann ist überzeugt, ein beispielhaftes Projekt wie dieses zeige, dass Architekturlicht heute weit über reine Ausleuchtung hinausgehe. Er sagt, ihre Aufgabe sei es, den Planenden und der Bauherrenschaft Werkzeuge an die Hand zu geben, mit denen sie Räumen eine klare Struktur, Tiefe und Atmosphäre verleihen könnten.

In den Suiten des Wälderhauses leuchten die Decken-Downlights der Serie Deep Ringo. Dank der tief eingesetzten LED von Deep Ringo wird direkte Blendung vermieden. Das Ergebnis ist angenehmes, funktionales Licht – ideal für Wohnräume, Flure oder Bäder. Foto: Jessica Machon
Daten + Fakten
Projekttitel: Hotel Hirschen
Standort: Hof 14, 6867 Schwarzenberg, Vorarlberg
Team:
Bauherr:in: Peter und Pia Fetz
Architektur: NONA Architektinnen, Bezau
Lichtplanung: ARCHILUM e.U
Verbaute Leuchten von Deltalight: Hedra, Spy, Deep Ringo
Planungzeitraum: 05/2019 – 05/2023
Ausführungszeitraum: 11/2023 – 05/2024
Grundstücksgröße:
Stammhaus+Wälderhaus+Badehaus: 3690,0m.
Wälderhaus+Badehaus: 2538,0m.
Nutzfläche:
Badehaus: 503,50 m.
Wälderhaus: 1418,80 m.
BGF Badehaus 670m.
Wälderhaus: 1937m.
Gebäudevolumen BRI:
Badehaus: 2261,75 m.
Wälderhaus: 5879,84 m.
Bebaute Fläche:
Badehaus: 102,00 m.
Pool: 67,43m.
Wälderhaus (Bestand): 365,50 m.
Stammhaus (Bestand): 434,40 m.